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23. Oktober 2025 | Frankfurt am Main, Germany

EU-RFC-Kommuniqué zur Stärkung des Finanzökosystems der EU

Der European Union Roundtable of Financial Centers hat ein Positionspapier veröffentlicht, in dem wichtige Strategien zur Verbesserung des Finanzökosystems der EU dargelegt werden.

Der European Union Roundtable of Financial Centres (EU-RFC) [Runde Tisch der Finanzzentren der Europäischen Union]  traf sich am 1. Oktober 2025 in Frankfurt am Main. Vertreter der führenden europäischen Finanzzentren kamen zusammen, um gemeinsame Prioritäten für die Stärkung des EU-Finanzökosystems im Dienste einer innovativen und wettbewerbsfähigen EU-Wirtschaft zu erörtern. Die Agenda umfasste die Bekämpfung von Finanzkriminalität, Cybersicherheit, die Spar- und Investitionsunion, Open Finance, die EU-Verordnung über den Zugang zu Finanzdaten (FiDA), Wettbewerbsfähigkeit und weitere zukunftsorientierte Themen.

Zu den gemeinsamen Prioritäten und Herausforderungen zählten die dringende Notwendigkeit der Straffung und Vereinfachung bestehender Regulierungsrahmen sowie die Erkenntnis, dass geopolitische Verschiebungen und das wachsende Konfliktrisiko in Europa das operative Umfeld der Finanzzentren zunehmend prägen. Die Mitglieder betonten, dass in diesem volatilen Umfeld neben dem laufenden digitalen und grünen Wandel sowohl die regulatorische Stabilität als auch die Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet werden müssen.

 

EU-Wettbewerbsfähigkeit

Wettbewerbsfähigkeit wurde während des gesamten Treffens als Querschnittsthema identifiziert. Die Mitglieder forderten systematische Wettbewerbsprüfungen aller neuen EU-Gesetze und die Verankerung der Wettbewerbsfähigkeit auf EU-Ebene als Ziel der Regulierungsbehörden. Ineffektive Regulierungen, die Form über Inhalt stellen, und kumulative Compliance-Kosten wurden als erhebliche Risiken für die Attraktivität Europas im Vergleich zu anderen globalen Zentren anerkannt.

Der Runde Tisch forderte eine wachstumsfördernde EU-Regulierungsagenda, die Stabilität und Innovation in Einklang bringt. Die Teilnehmer betonten zudem, wie wichtig es sei, idealerweise eine ergebnisorientierte Äquivalenz, zumindest aber die gegenseitige Anerkennung europäischer und internationaler Standards zu gewährleisten, um eine regulatorische Fragmentierung zu vermeiden, den Compliance-Aufwand zu reduzieren und die globale Wettbewerbsfähigkeit der EU-Finanzinstitute zu erhalten.

 

Spar- und Investitionsunion

Die Teilnehmer bekräftigten, dass die Mobilisierung von Ersparnissen für produktive Investitionen unerlässlich ist, um die Investitionslücke in Europa zu schließen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Wiederbelebung des EU-Verbriefungsmarktes wurde erneut als entscheidend dafür hervorgehoben und knüpfte damit an das Positionspapier der EU-RFC vom Februar 2025 an. Die Teilnehmer begrüßten das von der Kommission im Juni vorgelegte Reformpaket zur Verbriefung von Wertpapieren, warnten jedoch gleichzeitig, dass gezielte Anpassungen erforderlich seien, um eine angemessene Risikosensitivität und eine echte Erholung des Marktes zu gewährleisten.

Die Mitglieder begrüßten die jüngst von der Kommission gestarteten Initiativen zur Finanzbildung und sehen dem EU-Marktintegrationspaket, das im Rahmen des SIU-Fahrplans bis Ende 2025 verabschiedet werden soll, mit Spannung entgegen. Im Hinblick auf Spar- und Anlagekonten wurde das Bedauern über die mangelnde Beteiligung des Versicherungssektors zum Ausdruck gebracht. Es wurde gefordert, den Zugang für Privatanleger und KMU zu vereinfachen, gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Finanzdienstleister zu schaffen, die langfristigen Anlagemöglichkeiten zu erweitern und die Steuer- und Aufsichtsrahmen in den Mitgliedstaaten anzugleichen.

Die Teilnehmer betonten, dass die EU ohne eine schnellere und ambitioniertere Umsetzung der Empfehlungen und Legislativvorschläge durch die Mitgliedstaaten, den Rat und das Parlament in konkrete Maßnahmen ihre in den Berichten von Draghi und Letta festgestellte Wettbewerbslücke zwangsläufig weiter vergrößern wird.

 

Stablecoins

Im Rahmen einer Diskussion über die wachsende Bedeutung von Stablecoins im globalen Finanzwesen fand eine Veranstaltung statt, die auf einem von Paris Europlace vorgelegten Diskussionspapier mit dem Titel „Thinking Europe’s Response to the Rise of Dollar Stablecoins“  („Europas Antwort auf den Aufstieg von Dollar-Stablecoins“) basierte. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Dominanz von auf US-Dollar lautenden Stablecoins die Währungshoheit und Wettbewerbsfähigkeit Europas vor Herausforderungen stellt. Gleichzeitig wurden neue Initiativen europäischer Bankenkonsortien zur Ausgabe von auf Euro lautenden Stablecoins und tokenisierten Einlagen im Rahmen des MiCA-Gesetzes erörtert. Die Teilnehmer betonten die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen in diesem Bereich, um ein Gleichgewicht zwischen Risiken für die Finanzstabilität und Chancen für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu finden. Als ersten Schritt planen die Mitglieder des Roundtables ein Webinar mit Stablecoin-Experten aus ihren Netzwerken, um die langfristigen Auswirkungen einer breiteren Nutzung von Stablecoins in Europa besser zu verstehen. Das Roundtable-Mitglied Frankfurt Main Finance wird das Webinar im Rahmen seiner Reihe „Food for thought“ ausrichten.

 

Open Finance

Die in Abstimmung mit der European Digital Finance Association (EDFA) abgehaltene Sitzung beleuchtete die Chancen und Risiken der bevorstehenden Verordnung über den Zugang zu Finanzdaten (FiDA).

Die Teilnehmenden begrüßten das Potenzial von Open Finance zur Förderung von Innovationen, grenzüberschreitenden Dienstleistungen und der Finanzierung von KMU.

Es wurden jedoch Bedenken hinsichtlich Fragmentierung, Datenumfang, Datenschutz, Datensicherheit, Betrugsrisiken und Compliance-Kosten geäußert, falls die Standards nicht harmonisiert werden.

Die Teilnehmenden nahmen außerdem die Richtung der dänischen Ratspräsidentschaft in den Trilogverhandlungen zur Kenntnis, die Vereinfachung, Verhältnismäßigkeit, präzisere Definitionen und Beschränkungen für historische Daten betont. Derzeit wird die Notwendigkeit eines Rahmens, der die Marktrealitäten und die Kundennachfrage widerspiegelt, vernachlässigt. Damit die FiDA zu einem innovativen Instrument und nicht zu einer kostspieligen Compliance-Übung wird, müssen die Mitgesetzgeber weitere Anstrengungen unternehmen, unnötige Belastungen abzubauen.

 

Cybersicherheit

Die Diskussion unterstrich die Bedeutung der Cyberresilienz als systemischen Risikofaktor für den EU-Finanzsektor.

Die Mitglieder forderten eine harmonisierte Umsetzung des DORA und die Entwicklung gemeinsamer Kennzahlen zur Bewertung der Cybersicherheitsvorsorge.

Es wurde auf die zunehmenden Risiken durch KI-gestützte Cyberangriffe und Quantencomputer hingewiesen, die eine proaktive EU-weite Strategie erfordern.


Bekämpfung von Finanzkriminalität

Die Bekämpfung von Finanzkriminalität bleibt eine zentrale Priorität für die Sicherung der finanziellen Stabilität und Glaubwürdigkeit Europas.

Es wurde starke Unterstützung für die rasche und effektive Einrichtung der Europäischen Geldwäschebehörde (AMLA) in Frankfurt am Main ausgesprochen, begleitet von einer verstärkten Zusammenarbeit mit den nationalen Aufsichtsbehörden. Ziel ist die Harmonisierung der Umsetzung der EU-Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsvorschriften in den Mitgliedstaaten und Sektoren sowie der Verbraucherschutz, da Betrugsversuche in der digitalen Finanzwelt rasant zunehmen.

Die Teilnehmer betonten die Notwendigkeit sicherer Datenaustauschmechanismen zwischen den Finanzzentren und die Nutzung aller verfügbaren Instrumente und Ressourcen zur Identifizierung komplexer Betrugs- und Geldwäschemuster.

 

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